Warum Retinol in die tägliche Pflege gehört

Retinol ist der Superheld aller Antiaging-Substanzen. Eine lange Liste von Fähigkeiten wird ihm zugeschrieben. Hier eine kleine Auswahl: Retinol verbessert die Hauttextur, mildert Falten, schenkt einen rosigen Teint, befeuchtet, reduziert Flecken, macht die Haut strapazierfähiger, sorgt für einen gleichmässigen Hautton.

Wäre Retinol nicht auch bekannt dafür, anfänglich Rötungen zu verursachen, fände man es in allen Cremes und Seren. Dieser kleine Makel hält den grossen Teil der Bevölkerung davon ab, Retinol zu benutzen. Zu unrecht, finden die Autorinnen, denn die Angewöhnung an den Superhelden lässt sich mit ein wenig Geschick gut meistern.

Retinol = Vitamin A

Retinol ist das reine Vitamin A. Gleichzeitig ist "Vitamin A" auch ein Sammelbegriff für alle Vitamin-A-Abkömmlinge. Man nennt sie auch "Retinoide", sie können sowohl natürlichen wie künstlichen Ursprungs sein. Die bekanntesten Retinoide sind Tretinoin, Isotretinoin, Alitretinoin und natürlich Retinol, unser Lieblings-Retinoid.

Gut verträgliches Retinol

Tretinoin kennen viele aus der Aknetherapie. Die meisten Anwender wissen auch von dessen Antiaging-Wirkung und es ist fast allen bekannt, dass es Rötungen und Jucken verursacht. Diese Reaktionen sind ein Grund, weshalb man Tretinoin nicht über längere Zeit verwenden kann, weil die Entzündung oftmals chronisch wird. Nicht so mit Retinol!

Retinol kann alles, was Tretinoin kann, sofern man die Dosis anhebt und es länger anwendet. Aber mit dem wichtigen Unterschied, dass die Nebenwirkungen kleiner sind und -- besser noch -- sich die Haut an Retinol gewöhnen kann, so dass es über lange Zeiträume täglich verwendet werden kann. Somit steht der erwünschten Langzeitanwendung nichts mehr im Wege.

Pickel-Killer Retinol

Die Autorinnen haben jede 20 Jahre Aknetherapie mit verschiedenen Therapien und Kombinationstherapien hinter sich. Die Behandlungen mit äusserlich angewendetem Tretinoin, eingenommenem Isotretion sowie äusserlich angewendeten und eingenommen Antibiotika (neben zahlreichen weiteren) mussten immer wieder unterbrochen werden. In diesen Unterbrüchen wurde die Akne wieder stärker, man begann immer wieder von Vorne. Heute, 20 Jahre später, unsere Erkenntnis: Die beste Strategie gegen Pickel ist ein Vitamin-A zu wählen, das man täglich auf die Haut auftragen kann, am besten zweimal täglich, nämlich Retinol. Zudem wirkt sich eine entfettende Reinigung sehr positiv auf den Pickel-Count aus (Wash-Scrub-Oil control). Das Wichtigste ist die tägliche Anwendung von Retinol und das tägliche gründliche Entfetten der Haut. Denn die Ursache der Akne -- verstärkte Talgproduktion, Verhornungsstörung und Bakterien -- wirkt schliesslich auch täglich auf die Haut ein, deshalb sind tägliche Gegenmassnahmen die Voraussetzung für einen bleibenden Erfolg.

Die Superkräfte der Retinoide

Schaut man sich die Studien an, sieht man, dass Retinoide bekannt dafür sind, die Zeichen der Lichtalterung zu reduzieren. Photoaging und Retinoide sind gut erforscht. Auf der Haut aufgetragen, vermindern sie Falten, machen die Haut weicher, ebenmässiger, rosiger und verringern die Hyperpigmentation (Flecken von hauteigenem Pigment).

Retinoide verstärken die Kollagenproduktion deutlich (bis um 80%). Die Anzahl der Fibroblasten (Zell-Produzenten) wird erhöht, die Keratinozyten-Produktion (Haupt-Hautzellen) gesteigert, die obere Hautschicht, die Epidermis, verdickt sich und wird stabiler. Der beschleunigte Hautzyklus und die verstärkte Abschilferung der obersten Hautschicht (Stratum Corneum) verjüngen die Haut zusätzlich.

Retinoide wirken bis in die Dermis, die Durchblutung wird verstärkt. Interessant ist auch, dass die Verbindung der Epidermis mit der Dermis eine Verjüngung erfährt, indem die noppenartige Verzahnung der beiden Hautschichten an den Reteleisten, sich mit Retinoiden stärker wellenartig wölbt. Je besser die Reteleisten ineinander verankert sind, desto straffer ist die Haut.

Generell werden weniger Matrix Metalloproteinasen (MMP) freigesetzt. Diese fördern die Entzündung und den Kollagenabbau. Retinol hemmt diesen Vorgang.

Ebenfalls positiv wirkt sich aus, dass der Hautfarbstoff Melanin reduziert und gleichmässiger verteilt wird; ein ebenmässigerer Teint und weniger Lentigines (Flecken) sind die Folgen. Je weniger Flecken im Gesicht um so besser! Flecken lassen die Haut unruhig und gealtert aussehen.

Retinol ein Sonnenschutz?

Weniger bekannt ist, dass Retinoide auch vor Sonnenschäden Schutz bieten. Ist die Haut mit Vitamin A vorbehandelt, erleidet sie an der Sonne weniger UV-Schädigung. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum bei Vitamin-A-gebrauch immer vor erhöhter Sonnenempfindlichkeit gewarnt wird. Wie passt das zusammen? Einerseits bietet die Hornschicht weniger Schutz, da sie schneller abschuppt. Der Schutz, den die Hornschicht bietet ist zwar nicht hoch, mehr als Lichtschutzfaktor 4 liegt nicht drin, es ist aber trotzdem ein Schutz. Andererseits drosselt Retinol die Produktion von Melanin, weshalb ein Teil des natürlichen Sonnenschutzes durch die hauteigenen Farbpigmente entfällt.

Kollagen-Killer Sonne

Vergessen wir nicht, dass die ersten Alterszeichen, die wir im Spiegel entdecken, hauptsächlich der UV-Strahlung geschuldet sind. Die typischen Hautveränderungen durch Lichtalterung sind Falten, Pigmentflecken, Altersflecken, Sommersprossen, raue und unebene Haut, sichtbare rote Äderchen und fahle Haut. Den Sonnenschaden möglichst klein zu halten, ist die Devise. Deshalb ist Sonnenschutz immer noch DIE Antiaging-Massnahme Nummer eins.

Retinol in der täglichen Pflege

Am Wirksamsten ist es, retinolhaltige Cremes zweimal täglich aufzutragen. Dadurch verpasst man seiner Haut einen Kick, die eigene Zellaktivität zu steigern und Anti-Aging-Prozesse in Gang zu setzen.

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